SIGINT’09 Tag drei

sigint-logo-new3

Dritter und letzter Tag der SIGINT. Langsam hab ich mich schon an der Kongressleben gewöhnt. Heute dann noch die letzten Talks besuchen und dann zum Abschluss das Konzert. Wie bei vielen Anderen hab ich das Blut in meinen Venen schon gegen Club-Mate ausgetauscht.

Keynote Tag 3: The Future of Everything: Nickf4rr über die Zukunft von einfach Allem. Er hatte 35 Thesen vorbereitet. Darunter z.B. „LOLCats will not die“ oder „c-base will pwn the moon“. Am Ende meinte er aber, das er eigentlich auf 42 kommen wollte. So halfen wir ihm dann aus. Ich steuerte dann Punkt 37 bei. Der ja wie vllt aus einem vorhergehenden Posting bekannt Folgender war: „Radioactive Mutant Vampire Zombie Robots from Outerspace“. Die 35 Thesen waren aber auch durchaus teilweise ernsterer Natur. Wie zum Beispiel „ethnic identity as a choice – decide what race you are; even more „mixed-race“ oder „money will lose importance“ und „information you produce will gain importance as currency“. Ein Talk der sich nicht ganz so ernst nimmt, aber trozdem zum Denken anstimmen kann. Und Nickf4rr ist eh ein sehr guter Redner, man sollte ihn mal gesehen haben, oder gleich selbst mit ihm gesprochen haben.

Die Zukunft des Krieges – Cyberwarfare und seine Einbindung in die Kriegsführung: Militärische Cyberattacken gibt es schon seit Anfang der 90er des Letzten Jahrhunderts. Seit dem immer wieder, aber meistens mehr oder weniger erfolgreich. Über die Jahre wurde auch immer mehr Geld in die Cyberabwehr gesteckt. 2006 gab es gerade einmal 23 Länder die sich offiziell mit Cyberwarfare beschäftigten und entsprechende Departments dafür unterhielten. 2008 waren es bereits 140 Länder von aktuell 193. Angriffe des Cyberwars richten sich gegen drei Bereich: Infrastruktur, Informationen und Identitäten; kurz 3I. Infrastruktur bezieht sich auf solche Bereiche wie Stromnetze, Wasserversorgung und Kommunikationsnetze. Durch die immer stärkere Vernetzung, und durch Aufbau immer gleicher Strukturen in diesen Netzen, sind diese extrem leicht kompromittierbar. Informationen können natürlich abgehört und/oder verändert werden. Damit lässt sich die Strategie des Feindes erfahren und/oder beeinflussen. Durch gezielte Desinformation kann man entscheidend Einfluss auf den Verlauf eines Gefechts nehmen. Operativ wie taktisch. Identität der Angreifer ist latent unsicher, da man sich auf die Informationen ja nicht hundertprozentig verlassen kann. Abgesehen von diesen ganzen Szenarien kann man aber sagen das es noch keinen reinen Cyberwar gab. ER ist immer nur von unterstützendem Charakter. Er gewinnt in unsere technisierten aber Welt immer mehr an Bedeutung. Auch sei die Abwehr nicht oder nur sehr schwer möglich. Defense in depth – layered protection – Also tiefschichtige Verteidigung. Mehrere Schutzsysteme kaskadieren.
Das Problem des ganzen, wenn man sich richtig schützen will: staatliche Überwachung läuft Cyberdefense entgegen. Da sie immer wieder Angreifbare Lücken ins System bringt. Eine sehr interessante These war auch, das der conficker-Wurm wohl militärischen Ursprungs sei. Allgemein sähen Regierungen davon ab, Würmer einzusetzen, da die Konsequenzen nicht absehbar wären, wie er sich entwickle. So kann es dann auch vorkommen das zivile Ziele angegriffen würde oder sogar die Eigenen.

Yes we can! Yes we will! – Free Software for a new society: Der Vortrag handelte davon, das Prinzip Feier Software als Gesellschaftsform zu nutzen. Gehalten von Ökonux – Einem Projekt was sich mit Linux und Ökonomie beschäftigt. Die Meinung wird vertreten, das man das Prinzip Freier Software überall einsetzten lässt. In der Gesellschaft, in der Produktion, in der Technik und und und. Freie Software sei ein gesellschaftliches Phänomen. Das Prinzip der Freien Software, werde mit der Zeit das alte Model, den Kapitalismus, ablösen. Ähnliche Vorgänge und Gesellschaftsrevolutionen hätte es schon öfter in der Geschichte gegeben. Man müsse auch nicht mehr arbeiten um des Arbeiten Willens oder des Geldes wegen, sondern aus Spass an der Sache und zu Selbstverwirklichung. Dies alles in kleinen Gruppen und aus der Freude am teilen und verbreiten. Erfoldreiche Beispiele währen unter anderen Wikipedia, OpenAccess, und die CC-Lizenzen. Die freie Arbeit in Gruppen, heisse Peer-Production. Und dieses kollaborative Zusammenarbeiten, wie man es aus der OpenSource-Szene kennt, sei aber nicht an diese Gebunden und könne auch anders wo eingesetzt werden. Denn die Freie Software Bewegung, sei nur der Urspung, die Keimform davon (Keimformtheorie). Die neu erworbene Selbstentfaltung sei Lebensgefühl einer neuen Gesellschaft, ihr Fundament. Dies Alles liesse sich auch bewerkstelligen, in dem man ungewollte Sachen und Arbeiten, automatisiere, sodass man sich den Dingen widmen kann, welche einen Spass machen. Auch wurde die Theorie Freier Güter angesprochen.

Das ganze klang für mich wie die Utopie die man aus Star Trek kennt, keiner Arbeitet mehr wirklich, nur wenn er’s will. Alles ist Frei (zumindest auf der Erde). Es gibt Replikatoren, womit sämtliche Güter für jeden verfügbar sind. Kling alles ganz schön, aber nicht wirklich umsetzbar. Es können eben nicht alle in der ersten Reihe sitzen.

The Aesthetics of our Artificial Habitat – How to come to terms with how beautiful we want the future to be:Man solle doch Urbane Bauten schöner dekorieren und erfreulicher machen. Man habe schliesslich die Mittel dazu, warum also nicht ein wenig mehr Design im Alltagsleben? Und Design ist ja nicht nur Dekoration, es kann auch sehr wohl funktional sein. Form als Funktion. Als Vorbild können man sich immer doch die Natur nehmen, so wie es auch in der Wissenschaft sehr oft getan werde. Auch werde das Ganze wohl schon probiert, aber mehr oder weniger schlecht, wenn man sich mal den ein oder anderen generalüberholten Plattenbau ansieht. Da könnte man doch schon mal ein paar bessere Designs und Farben nehmen. (Hab den Talk dann aber doch lieber zu Gunsten einer Pause verlassen)

Mind Upload Cheat Codes – Du möchtest dich in unsterbliche Computersoftware verwandeln? Warum warten? Vielleicht machst du es bereits!:

Es ging darum den Geist vom Körper zu lösen, dies sei ja religiös schon immer gepredigt worden und real, wenigsten philosophisch so, durch die Weitergabe unsere DNA. Denn auch so würden wir unsterblich. Doch gäbe es doch auch die Möglichkeit, in unserer technisierten Welt, unseren Geist ins Web zu überspielen. Man könne ja mit der immer schnelleren und besseren Technik (NanoTechnik) einen Snapshot von seinem Gehirn machen und dann in einen „whole brain emulator“ überspielen. Erfassungstechnisch ist es momentan aber wohl doch noch nicht realisierbar. Auch sei die Rechenkapazität in den letzten Jahren massiv gestiegen, dafür reiche sie aber immer noch nicht aus. Konsequenzen aus einer solchen Digitalisierung könnten die Entkörperlichung des Ichs sein, man könnte Backups von seiner Identität machen, oder sich selbst forken. auch könnte man schneller „denken“ und auch arbeiten. Da heute aber schon so viele Daten von uns ins Netz geschwemmt werden und durch Daten-Eitelkeit immer bemüht alles zu vervollständigen. Damit mache es man zukünftigen Biografen recht einfach, man bereite schon sozusagen vor für eine zukünftige digitale Rekonstruktion. Wir dokumentieren so selbst ein Muster von uns, das dann später wieder genutzt werden könne um uns reverse zu konstruieren, denn das Netz vergisst ja nie. Also für jeden der rekonstruiert werden will: möglichst genaue Backups von sich online stellen. Aber automatisieren sollte man das dann nicht, da wer will schon mit Millionen von digitalen Kopien der Vergangenheit leben?  Online Dienst für solche Persöhnlichkeitsbackups gebe es schon. Zum Beispiel LifeNaut.com – Dort habe man 7GB für sein Ego um einen Avatar von sich zu erstellen, der dann genauso wie man selbst reagieren soll. Ein Chatbot sozusagen. Aber nur 7GB? Weitere Bespiele patientslikeme.com | hunch.com | okcupid.com .

Im Weiteren ging es dann um die Verschmelzung des Ichs mit dem Digitalen. Das sogenannt LifeLoggin sei so ein Konzept, man lagere damit dann sozusagen sein Gedächtnis aus. Da maschienen sich ja Dinge eh viel besser merken und verwalten können, sei dies die logische Konsequenz. Also zeichne man alles auf, wasn man sieht, sagt und fühlt. So ist es dann auch immer nach bedarf abrufbar. Auch kann man dann wieder aus diesen Daten sein Gedächtnis nachbilden. Durch diesen Prozess der Auslagerung in die Machine könnte aber das biologische Gedächtnis obsolet werden und verkümmern. Aber es wäre das perfekte Gedächtnis, bei gleichzeitiger gefahr der totalen Amnesie, durch einen Datencrash.

Ein Ansatz zur Auslagerung ist GTD-Zeitmanagement – Getting Things Done. Effizienz wird dadurch erzielt, indem man unwichtige (für den Moment) Dinge aus dem Kopf auslagert. Es ist ein System mit Vollständigkeitsanspruch. Man macht es entweder ganz oder gar nicht. Dadurch trainiert man aber schon maschinenfreundliches Denken. Es fehle nur noch die richtige Mensch-Maschine-Schnittstelle.
Ein anderes Beispiel ist der Selbst-Wiki. Man lagert alles was man tut, denkt, fühlt, Bekannte, Freunde, Verabredungen usw. in einen Wiki aus und ergänzt es immer wieder. Man ermuntert dann auch seine Freunde dazu, ihre Seite zu vervollständigen. So entsteht ein sehr genaues Abbild seiner selbst und seines sozialen Umfeldes. Auch hat man so eine Versionierung seiner Gedanken, weil evtl. Ändert man mal sein Meinung, seine Sicht auf manche Dinge. So kann dieser Vorgang dann auch später wieder nachvollzogen werden. Auch würde hiervon auch wieder Backups möglich. So kann man also seine Persönlichkeit backupen.

Ab einen bestimmten Datenaufkommen könnten diese Persönlichkeitsabbilder auch verselbständigt werden. Sie könnten auf Grund ihrer Daten ausrechnen, wie sich die reale Person verhalten würden und dann selbst so reagieren. Identiäre Chatbots, Avatare. Ansätze dazu bieten schon heute lifenaut.com und mycybertwin.com. Und wenn wir schon bei Verselbständigung sind: man könnte so auch noch nach seinem physischen Tod weiterleben. Als Persönlichkeitsabbild seiner Selbst. Diese Idee liesse sich auch noch weiter ausbauen in Richtung Künstlicher Intelligenz und Unsterblichkeit. Auch könnten die Profile der Toten noch untereinander und mit den Lebenden kommunizieren, sich z.B. in Social Networks regelmässig Kommentare schreiben. Z.B. könnten sie auch verschweigen das sie tot sind und sich immer irgendwelche Ausreden einfallen lassen, wenn sie zu einen realen Treffen eingeladen werden. Weitere Ideen könnten auch sein, das man einen personalisierten Twitterbot von sich selbst erschafft. Aber auch würde so der „identity theft“ neue Dimensionen erreichen. Und was ist wenn das digitale Selbst von Würmern und Viren attackier/infiziert wird?

Abschliessen kann man sagen, das der Begriff des „Ich“ redefiniert werden sollte. (Bemerkung: plomlompom, der Sprecher, hat einen Wahnsinns Redefluss. Hat sich dabei aber nie irgendwie verhaspelt.! Man sollte sich unbedingt das Video dazu ansehen. Aber alles in allen, ein sehr guter Talk, mit sehr interessanten Ideen.)

Abschlussveranstaltung: Von A-Song-A-Day-Guy und Johannes von Monochrome wurde eine CCC-Hymne entworfen. Und alle sollten diese nun singen. War aber mehr oder weniger ein #FAIL. Hier ein Ausschnitt. Dieser ist aber noch von dem Talk, wo er das Lied gerade komponierte.

Abschliessend lies sich nur sagen die SIGINT war nur Dank der unglaublichen Wirkung des Internets und viel Mund-zu-Mund-Propaganda möglich. Dies sollte eine Konferenz sein, welche Networking in den Vordergrund stellt. Eine Konferenz für all die politischen Themen, welche sonst auf dem C3 nie Platz finden. Auch lässt sich zusammenfassen das  die Hackerbewegung nun im Mainstream angekommen sei. Und nun noch ein paar Zahlen:

  • 90h progamm
  • 3 Tracks –  1 Workshop parallel (nur ein Ausfall eines Workshops)
  • 3 Paletten Club-Mate
  • 5 kaputte Club-Mate, während dies gesagt wurde zerbrach eine 6. Flasche
  • 555 Besucher
  • grosses Feedback durch Blogs  und Twitter der Besucher
  • Gute Presse
  • Dank an die viele freiwilligen Helfer
  • NOC Review – 150Mbit – verquere Tunnel-Technik … tlw. 4 Tunnel ineinander – Dank der Telekom.

Abschlusskonzert von Angelika Express: Anfangs war ich wenig überzeugt, das das was werden könnte, da so gut wie alle schon abgereist waren. Nur noch der Harte Kern und die Veranstalter waren vor Ort. Auch lies sich nicht so wirklich jemand finden, der nur wegen der Band gekommen wäre. Also kurz, es war ziemlich leer! Aber nach und nach kamen doch noch einige Leute und als dann eine dreiviertel Stunde nach dem eigentlich Einlass dann doch endlich die Türen aufgingen, waren doch schon so 40 – 50 Leute da. Dann fingen Angelika Express an zuspielen und nach kurzer Zeit hatte die Musik die Leute erfasst und sie begannen zu tanzen. Alles in Allem gab die Band eine Hammer Show, obwohl nur so wenig Leute da waren. Dies schien Angelika Express auch nicht wirklich zu stören. Wären der Show hatte der Drummer noch eine Auktion laufen auf ein neues Schlagzeug. Mitten im Spiel wurde der Drummer dann kurz ausgewechselt, sodass für kurze zeit auch zwei Drummer an einem Schlagzeug tätig waren. Dies fand ich sehr gelungen und die Beiden haben das auch gut gemacht, kamen sich also auch nicht gegenseitig in die Quere. Das Konzert hat sich doch noch voll gelohnt und war ein Erfolg.